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MEET THE FONDAS!
 

HOLLYWOOD IM SPIEGEL EINER SCHAUSPIELDYNASTIE

Klassisch, klug, rebellisch: Die Fondas sind eine der schillerndsten Schauspielerfamilien Hollywoods. Als unbeugsamer Kämpfer für das Gute verkörperte Übervater Henry Fonda den aufrechten, unbestechlichen und anständigen Amerikaner par excellence und avancierte im klassischen Hollywoodkino mit ikonischen Rollen unter Regisseuren wie Fritz Lang oder John Ford zum grössten Charakterdarsteller seiner Generation. In der Gegenkultur der 60er- und 70er-Jahre gelangten dagegen seine Kinder zu verdientem Ruhm. Stets nah am Zeitgeist entwickelte sich Tochter Jane nach ihrem ersten Erfolg mit Barbarella vom Pin-up-Girl der Swinging Sixties zur Politaktivistin und gefeierten Aktrice, während Sohn Peter sich als Captain America aus Easy Rider ins kollektive Filmgedächtnis einbrannte und mit eigenen Regiearbeiten im Umfeld von New Hollywood überzeugte. Mit Enkelin Bridget eroberte dann in den 90er-Jahren auch die dritte Generation die Leinwand - um sich nach einem vielversprechenden Start leider viel zu früh zurückzuziehen. Das Stadtkino Basel widmet der legendären Künstlerfamilie eine Hommage und lädt mit den Fondas zu einem Ritt durch die amerikanische Filmgeschichte.

 

Um das Pferd mal fiktional aufzuzäumen: Sollte in ein paar Jahren der Name Oliver Elfman in der US-Filmindustrie auftauchen, dann würden Hollywood-Insider sich nicht wundern. Einerseits, weil Olivers Vater der renommierte Komponist Danny Elfman ist, der u.a. mit seiner Musik für Tim-Burton-Filme bekannt wurde. Andererseits, weil Olivers Mutter Bridget Fonda heisst, ihres Zeichens Tochter von Peter Fonda. Und den zweiten Vornamen hat der heute zwölfjährige Oliver von seinem berühmten Urgrossvater Henry Fonda (1905-1982).
Mal sehen, ob der Knabe eher nach der Mutter kommt, die allerdings seit 15 Jahren in keiner neuen Rolle mehr zu sehen war (wobei: Bridgets Tante Jane Fonda legte einst auch eine 15-jährige Pause ein). Oliver stünde dann ganz in der Tradition einer der legendärsten Schauspielerdynastien der an Schauspielerdynastien nicht eben armen Geschichte Hollywoods. Diese Fonda-Family, was hat sie nicht für Marksteine in der Filmgeschichte hinterlassen! Und ganz nebenbei hat sie auch viele, viele Seiten der Tabloids gefüllt. Zum Beispiel Jane (*1937), eine öffentliche Frau, die stets nah am Zeitgeist zu finden war: Die psychedelische Sexbombe aus Barbarella (1968) und nachmalige Ehefrau von Regisseur Roger Vadim engagierte sich in den siebziger Jahren als Ikone der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung, mutierte im Fitness-Rausch der Achtziger im flexiblen Neon-Body-Look zur Aerobic-Vorturnerin der Welt (bis heute verkauft sie Anti-Aging-Workout-DVDs) und stellte sich in den Neunzigern in dritter Ehe als Charity-Gattin des konservativen CNN-Gründers Ted Turner in den Dienst diverser guter Sachen. Immer wieder erwischte Jane Fonda Rollen, die für ihre jeweilige Entstehungszeit emblematisch wurden, in jeder Hinsicht - in dem Thriller The Morning After (1986) zum Beispiel, in dem sie eine alkoholsüchtige Schauspielerin spielt, umrahmt die wahrscheinlich verrückteste der mannigfachen Staubwedel-Frisuren der Achtziger ihr Gesicht und kann ihrer Attraktivität doch keinen Abbruch tun. Für dieses Nebenwerk von Sydney Lumet war Jane Fonda ein siebentes und letztes Mal für den Oscar nominiert, den sie zuvor bereits zwei Mal gewonnen hatte. Das erste Mal war sie 1969 nominiert gewesen, das Drama They Shoot Horses, Don't They? in der Regie von Sydney Pollack trägt sie durch ihre gnadenlos nihilistische Performance als Marathon-Tänzerin praktisch im Alleingang.
Viele von Jane Fondas Filmen spiegeln ihre eigene Rolle als zwischen Emanzipation und Anpassung hin- und hergerissene Frau; beispielhaft dafür vielleicht die komödiantische Western-Paraphrase The Electric Horseman (1979), wenn Fonda als investigative Fernsehjournalistin letztlich dem Charme des Rodeo-Veteranen und «Pferdeflüsterers» Robert Redford erliegt. Im Alter von zwölf Jahren hatte Fonda ihre Mutter verloren, von deren Suizid aus Angst vor einer Scheidung musste sie später aus der Zeitung erfahren. Notorisch wurde Janes schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater Henry. In ihrer Autobiografie berichtet sie, zum allerersten Mal knapp vor seinem Tod Gefühle von ihm gespürt zu haben - als die beiden 1981 für On Golden Pond als Vater und Tochter gemeinsam vor der Kamera standen. Den von Henry lang ersehnten Hauptdarsteller-Oscar für dieses Melodrama holte Jane dann schon in Vertretung ihres Übervaters ab, der wenige Monate später, am 12. August 1982 in Los Angeles verstarb.
Auch Janes jüngerer Bruder Peter hat öfter freimütig zu Protokoll gegeben, den Patriarchen als kalt und distanziert in Erinnerung behalten zu haben. Man kennt das Phänomen aus vielen Familien, denen hervorragende Künstler vorstehen: nichts für die Familie, alles für die Kunst. Aber es war schon eine ganz besondere Kunst, gerade in diesem Fall. Henry Fonda, der aufrechte Kämpfer gegen das Übel der Welt (wie als Tom Joad in The Grapes of Wrath), der unbeugsam skeptische Geschworene (in 12 Angry Men), der Westernheld für die Meister John Ford, Anthony Mann oder Sergio Leone, sein unnachahmlicher Gang, seine ins Mark dringende Stimme, seine an Stellen geradezu innerlich kochende Renitenz: Der Mann aus Nebraska war für viele der grösste Charakterdarsteller, der jemals in den Lichtkegeln der klassischen Hollywood-Leinwände gestrahlt hat.
Sein Biograf Devin McKinney verglich Henry Fondas Bedeutung für die US-amerikanische Geschichte mit der eines Nationaldichters: «to step into the American Story, to embody its tragedy and its memory» sei womöglich sein Motiv gewesen. Wenngleich Fonda sich oft als Loner, Aussenseiter oder zugereister Fremder der jeweiligen Szenerie angenähert hat, verkörperte er doch in ebensolchem Mass das kritische Gewissen eines Gemeinwesens, das diesen Namen verdient. Und in seine unleugbar virile Ausstrahlung mischte sich stets auch eine gleichso unleugbare Portion Selbstkritik und Reflexionsfähigkeit. Wer weiss, wie viele Debatten über die kapitalistische Demokratie amerikanischen Zuschnitts aus seinen Outcasts und Verfolgten, aus seinen entfremdeten und doch immer wieder identifikationsfördernden Figuren Nahrung erhalten haben.
Wie soll man aus dem riesigen Schatten so eines Mannes heraustreten? Das mögen sich Henry Fondas widerspenstige Kinder Jane und Peter öfter gefragt haben. Immerhin hat er nicht nur einigen der geplagtesten Noir-Helden (You Only Live Once, 1937, Fritz Lang) oder der stahläugigsten Westernschurken (Once Upon a Time in the West, Sergio Leone) der Filmgeschichte Gestalt verliehen, sondern sogar mehrmals US-Präsidenten verkörpert. Peter (*1940) konnte nie recht auf dem New-Hollywood-Überraschungs-Hit Easy Rider (1969, an der Seite von Biker-Kumpel Dennis Hopper) aufbauen, man gewann aber auch nicht den Eindruck, dass er das überhaupt wollte. Ein Kind der Gegenkultur der sechziger Jahre und daher auch nicht an kommerziellem Erfolg orientiert, wurde etwa seine Arbeit als Actor-Director des revisionistischen Westerns The Hired Hand (1971) erst 30 Jahre später gewürdigt. Immerhin brachte ihm die Oscar-Nomininierung für Ulee's Gold (1997) doch noch die Bestätigung des Establishments. Im selben Jahr hatte auch Peters Tochter Bridget (*1964), die schon als Kleinkind in der Hippie-Kommune von Easy Rider aufgetaucht und deren Stern Ende der achtziger Jahre aufgegangen war, einen ihrer memorabelsten Sidekick-Auftritte: als eher einfältige Gelegenheitsliebhaberin von Robert DeNiro in Quentin Tarantinos herrlicher Caper-Groteske Jackie Brown.
Bridgets Tante Jane, die übrigens 2016 nach zwanzig Jahren wieder einmal für den Golden Globe nominiert wurde (für ihre furiose Szene als Hollywood-Diva in Paolo Sorrentinos Youth), wird am 21. Dezember dieses Jahres 80 Jahre alt. Nur um den Schauspieler-Familienkreis adäquat kompliziert zu vervollständigen: Jane hat einen Sohn aus ihrer zweiten Ehe mit dem liberalen Politiker Tom Hayden. Der allerdings nennt sich nach dem Mädchennamen seiner Grossmutter väterlicherseits. Und womit ist dieser Troy Garity bereits seit geraumer Zeit beschäftigt? Genau, sich in Hollywood einen Namen zu machen. Nur halt einen anderen als den seines berühmten Grossvaters.

 

Roman Scheiber

 
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